Steyr-Daimler-Puch AG, Sicherheits-Pistole,

Kaliber 7,65 mm Browning


Vorbemerkung: Sammlern österreichischer Taschenpistolen empfehle ich die hervorragenden Bücher von Josef Mötz und Joschi Schuy "Vom Ursprung der Selbstladepistole" (Band 1) und "Weiterentwicklung der Selbstladepistole" (Band 2). Getrost kann man sagen, dass es sich hierbei um ein Standardwerk zu Österreichischen Pistolen handelt.

Im Band 2 wagen die beiden Autoren einen Blick auf Steyrs erstes Pistolenmodell nach dem Zweiten Weltkrieg - die Sicherheits-Pistole (SP). Als die SP 1958 auf den Markt kam, waren die neu aufgelegten Walther PP und PPK bereits wieder zum Platzhirsch auf dem Markt der Verteidigungspistolen geworden. Wirtschaftlich war die SP daher ein Desaster, denn nur rund 940 Pistolen konnten verkauft werden. 

Der nachfolgende Artikel basiert im Wesentlichen auf den Informationen des Band 2, eigenen Patentrecherchen sowie der Untersuchung von Realstücken.


Wie auch in Deutschland war in Österreich zunächst die Herstellung von Waffen durch die Besatzungsmacht untersagt. Ab 1950 jedoch durfte die Steyr-Daimler-Puch AG (SDPAG) jedoch wieder Jagdwaffen herstellen. Mit dem Österreichischen Staatsvertrag 1955 endete das Besatzungsstatut und in der neu gewonnenen Unabhängigkeit wollte nun auch Steyr ein eigenes Pistolenmodell fertigen. Der Ingenieur Friedrich Lehner wurde mit der Entwicklung einer Taschenpistole beauftragt. Die Pistole sollte Behörden und private Kunden gleichermaßen adressieren.  In Deutschland hatte Walther bereits ab 1952 wieder PP und ab 1954 PPK bei Manurhin fertigen lassen. Es sollte also für Steyr schwierig werden, mit einem neuen Modell auf den Markt zu kommen.


Deckblatt zur Werbebroschüre Steyr SP. 

Quelle: Mötz/Schuy "Weiterentwicklung der Selbstladepistole, S. 431


Technik und Patente

Um sich von Walther abzusetzen, glaubte Steyr, mit einer völlig neuen Idee aufwarten zu müssen. Für die SP setzte man daher auf einen Nur-Spann-Abzug (Double Action Only).  Die Pistole sollte ein nicht selbstspannendes Spannabzug-Hahnschloss mit verdecktem Schlaghahn erhalten. Vorteil einer solchen Konstruktion war es, dass das Abzugsgewicht mit jedem Schuss  gleich (hoch) war. Folglich war die Waffe auch unter stressbedingter Belastung gut zu handhaben und man hoffe so unbeabsichtigte Schussabgaben vermeiden zu können. Daher auch der Name der Waffe "Sicherheits-Pistole".

Um sich gegen die Walther Konkurrenz abzusetzen, suchte man nach einer Möglichkeit, die Pistole noch einfacher zerlegen zu können. Dies fand man in einer vorne auf dem Verschlussstück sitzenden Kupplungsmuffe, die mittels eines Bajonettverschluss gegen die Kraft der Schließfeder abnehmbar war. 

Hierzu meldete Friedrich Lehner am 22. Juni 1957 ein Patent Pistole (Nr. 198158) an. Der Patentanspruch bezieht sich auf die Kupplungsmuffe. Im Kern verkürzt die eingesetzte Kupplungsmuffe den Rücklauf des Verschlussstücks derart, dass das Verschlussstück in den hinten offenen Seitenführungen des Griffstücks verbleibt. Entfernt man die Muffe, so kann das Verschlussstück weiter nach hinten gleiten und vom Griffstück abgenommen werden.


Darüber hinaus handelt es sich bei der SP um eine gewöhnliche Selbstladepistole mit Masse-Verschluss und Hahnschloss im Kaliber 7,65 mm Browning. Lauf und Griffstück sind über einen Fixierstift miteinander verbunden. Die Schließfeder liegt um den Lauf und stützt sich vorne gegen die Kupplungsmuffe (sog. Verschlussfederkappe) ab. Die Abzugsstange liegt links innen im Griffstück und ist über eine Einfräsung am Griffstück zugänglich, die mit einem Deckel verschlossen ist . Wird der Abzug betätigt, so wird der Hahn nach hinten bewegt bis er automatisch ausklinkt und den Schuss auslöst. Im Abzug befindet sich eine links herausstehende Druckknopfsicherung, die die Abzugsbewegung sperrt. Bei leergeschossenem Magazin bleibt die Waffe offen.

Das Magazin fasst sieben Patronen. Es finden sich Magazine mit acht bzw. 6 Sichtlöchern, jeweils auf der rechten Seite.  Die Griffschalen sind aus schwarzem Kunststoff, der recht bruchanfällig ist. Sie sind mittig mit einer Schraube befestigt. Die Griffschalen tragen vollflächig Fischhaut und haben im oberen Drittel ein Emblem STEYR in einer Zielscheibe. 

Die Pistole wurde brüniert angeboten. Darüber hinaus gab es wenige Sondermodelle mit Werksgravur, die an hochgestellte Persönlichkeiten abgegeben wurden.


Die Pistole kam in einem roten Pappkarton mit der Aufschrift


STEYR-PISTOLE SP

STEYR-DAIMLER-PUCH AKTIENGESELLSCHAFT

STEYR (AUSTRIA)


sowie einer Beschreibung. Darüber hinaus gab es eine höherwertige, mit hellgrauem Stoff ausgeschlagene, grüne Klappschatulle. 


Varianten

Mötz/Schuy berichten von einigen wenigen bekannten Prototypen und Versuchswaffen. Ansonsten bliebt die SP während der gesamten Produktionszeit von 1957 bis 1964 unverändert.


Links auf dem Verschlussstück steht:

STEYR-DAIMLER-PUCH A.G. (Steyr Logo) M0D., SP, "KAL. 7,65 mm" 

MADE IN AUSTRIA


Die Seriennummer findet sich links am Griffstück am Abzugsbügel. Die rechte Seite bleibt bis auf die Beschusszeichen frei.


Die Produktion begann bei Seriennummer 001 und endete bei 940. Aus den Protokollen des Beschussamts Wien lassen sich die Einlieferdaten und Jahresmengen nachvollziehen. Mötz/Schuy schreiben hierzu, dass die Zahlen des Beschussamts mit den handschriftlichen Listen der SDPAG weitgehend übereinstimmen. Tatsächlich konnte Steyr also wohl nicht mehr als 940 Waffen absetzen. 


Fazit:

Die SP war für Steyr ein Flopp. Gegen die Konkurrenz von Walther war selbst auf dem österreichischen Behördenmarkt nicht anzukommen. Darüber hinaus war der Double-Action-Only vom Prinzip her eine gute Idee, um dem Schützen mit jedem Schuss ein einheitliches Abzugsgewicht zu garantieren und so ungewollte Schussabgaben zu verhindern. Sonderlich förderlich für die Treffsicherheit war das Ganze für den ungeübten Schützen hingegen wahrlich nicht.


Zeichnung zum österreichischen Patent Nr. 198158. Zu sehen ist die Kupplungsmuffe, die an der Vorderseite des Verschlussstücks eingreift.


Funktionsweise des Steyr SP Nur-Spann-Abzugs. Die Abzugsstange bewegt den Schlaghahn gegen die Federkraft der Hahnfeder. In der hinteren Position rutscht der Hahn über eine Klinke der Abzugsstange und schnellt nach vorne. Gleichzeitig werden Abzugsstange und Schlaghahn entkoppelt. 


Technische Daten

Modell

Länge

Breite

Höhe

Lauflänge

Gewicht

Patronen

Seriennummern

SP

161 mm

25 mm

118 mm

 89 mm

570 g

7

001 - 940

Steyr SP links
Steyr SP in der Ansicht von links. Die Griffschalen weisen das Steyr Logo auf.
Steyr SP rechts
Die Kontur der SP ist elegant. Der Hahn wird durch das Verschlussstück verdeckt.
Steyr SP zerlegt
Die Steyr besteht nur aus wenigen Bauteilen und ist schnell zerlegt.
Abzugsstange
Studie des Zusammenwirkens von Abzugsstange und Abzug.
Magazin
Frühe Magazine haben acht Sichtlöcher auf der rechten Seite. Späte Magazine haben sechs Löcher.
Verschlussstück
Ansicht des Verschlussstücks von unten und oben. Innen ist die Pistole sauber verarbeitet. Die Oberseite ist geriffelt zur Vermeidung von Reflexionen.
Druckknopfsicherung
Die Druckknopfsicherung der SP liegt oben am Abzugszüngel. In gesichertem Zustand steht der Knopf nach rechts aus dem Züngel und kann bequem mit dem Abzugsfinger eingedrückt werden..
Steyr SP Schachtel
Standardschachtel aus Pappe für die Steyr SP. Weinrot mit goldener Aufschrift:
STEYR-PISTOLE SP
STEYR-DAIMLER-PUCH
STEYR (AUSTRIA)
Quelle: Dorotheum
SP in Schatulle
Für die Steyr SP wurde auch eine mit hellgrauem Stoff ausgeschlagene, grüne Schatulle angeboten.
Quelle: Dorotheum
Werbeanzeige SP
Werbeanzeige der SP. Als potenzielle Kunden werden "Damen und Herren" angesprochen. Auf eine Schreckschusspistole falle kein Gangster mehr herein.
Abgedruckt in Mötz/Schuy "Weiterentwicklung der Selbstladepistole", S. 430.
Explosionszeichnung
Explosionszeichnung der SP.
Abgedruckt in Mötz/Schuy "Weiterentwicklung der Selbstladepistole", S. 431.
Beschreibung der Steyr SP
Bedienungsanleitung der Steyr aus dem Juli 1958.
Abgedruckt in Mötz/Schuy "Weiterentwicklung der Selbstladepistole", S. 430.