Carl Walther Waffenfabrik, Ulm, Modell TP
Zwischen 1908 und 1945 fertigte Walther mit den Modellen 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8 und 9 sehr erfolgreich Taschenpistolen im Kaliber 6,35 mm Browning und 7,65 mm Browning. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs setze Enteignung und Zerstörung des Werks in Zella-Mehlis der Produktion ein jähes Ende. Erst um 1950 begann am neuen Standort Ulm erneut die Waffenfertigung - zuerst mit Druckluft, kurze Zeit später dann auch mit Kleinkaliber- und Jagdwaffen. Ab 1953 wurden auch wieder Teile für die Modelle PP und PPK gefertigt. Taschenpistolen im Kaliber 6,35 mm Browning fanden sich jedoch zunächst nicht mehr im Programm. Erst 1961 brachte Walther, auf Kundenwunsch, mit dem Modell TP (Taschenpistole) wieder eine kleine Selbstverteidigungspistole im Kaliber 6,35 mm Browning und .22 lr. auf den Markt. 1969 folgte die TPH (Taschenpistole mit Hahn), die die TP rasch verdrängte. 1971 endete die Produktion der TP.
Technik
Die TP ist eine Selbstladepistole mit unverriegeltem Masseverschluss und Schlagbolzenschloss. Lauf und Griffstück sind fest miteinander verbunden, Technisch folgt die TP weitgehend dem Modell 9, ist aber deutlich größer und hat eine veränderte Kontur. Die Nähe zum Modell 8 und 9 unterstreicht Walther sogar explizit in der Anleitung.
Eine der auffälligsten Unterschiede zum Modell 9 ist, dass der Sicherungshebel auf die linke Seite des Verschlussstück, auf Höhe des Abzugs verlegt wurde. Die als 90-Grad-Drehhebel ausgeführte Sicherung blockiert direkt den Schlagbolzen. Schwenkt man den Sicherungshebel nach unten befindet sich die Pistole im Feuermodus; oben ist die Sicher-Position.
Das Verschlussstück verfügt über 14 feine, dreieckig ausgeschnittene Griffrillen auf beiden Seiten. Es ist vorne oben offen und der Lauf liegt frei. Die nach vorne verlaufenden Arme des Verschlussstücks sind am vorderen Ende mit einem Steg, der sog. Federbolzenführung, verbunden, der in der Mitte eine Bohrung besitzt. Die Schließfeder mit dem Federbolzen stützt sich auf der Federbolzenführung ab. Die Federbolzenstange tritt in der Rückwärtsbewegung des Verschlussstücks aus dem Loch der Federbolzenführung heraus.
Die L-förmige Auszieherkralle liegt auf der rechten Seite des Verschlussstücks. Der Ausstoßer ist auf der linken Seite des Griffstücks hinter dem Magazinschacht angeordnet.
Das Verschlussstück wird, wie beim Modell 9, von einem hantelförmigen Widerlager, dem sog. Verschlussriegel, auf dem Griffstück gehalten. Der Verschlussriegel hat ein Loch, durch das das Ende des Signalstifts herausragt und so als Spannanzeiger dient.
Die Abzugsstange verläuft außen an der rechten Seite des Griffstücks, unterhalb der Griffschale. Die Griffschalen sind aus schwarzem Kunststoff. Links findet sich ein blau-goldenes Griffmedaillon mit dem Walther Banner in einer Weltkugel. Die rechte Griffschale hat als Medaillon eine schwarze Scheibe aus Metall mit 16 kreisförmig angeordneten Löchern,
Der Magazinhalter sitzt an der Unterseite des Griffstücks. Das Magazin der TP fasst sechs Patronen in beiden Kalibern. Die Magazine für Kaliber 6,35 mm Browning haben sechs Sichtlöcher, das Magazin in .22 lr lediglich ein Sichtloch. Der verlängerte Magazinboden aus schwarzem Kunststoff dient als Ablage den Ringfinger und den kleinen Finger. Auf der rechten Seite des Magazins steht jeweils das Kaliber.
Üblicherweise haben die TP eine tiefschwarze, glänzende Oberfläche, die bei einigen Waffen einen violetten Farbton aufweisen kann.
Die TP wurde in einem Walther-typischen, braunen Karton mit Anleitung und Reinigungsbürste ausgeliefert.
Varianten
Insgesamt fertigte Walther etwa 11.250 Pistolen in 6,35mm Browning sowie 3.417 Pistolen in .22 lr. , darunter auch einige gravierte Modelle. Die Seriennummern sind sechsstellig. bei den Pistolen in 6,35 mm Browning beginnen die Nummern bei 001000 und enden bei etwa 012250. Seriennummern der TP im Kaliber .22 lr starten bei 200011 und gehen bis 203427.
Frühe Waffen in 6,35 mm Browning tragen auf der linken Seite des Verschlussstücks den Schriftzug:
[Walther Banner] Modell TP Cal. 6,35mm
Auf der rechten Seite steht:
Carl Walther Waffenfabrik Ulm/Do.
Der rote Punkt der Sicherung hat einen Durchmesser von 4,5 mm. Das Korn ist 1,4 mm breit.
Zwischen Seriennummer 001600 und 002000 erfolgt – nicht trennscharf – der Wechsel zu einer neuen Beschriftung. Diese lautet nun:
[Walther Banner] TP Cal. 6,35 Ulm/Do.
Die rechte Verschlussstückseite bleibt frei. Zudem ändert sich der Durchmesser des roten Punktes der Sicherung auf
3,5mm. Das Korn wird auf 2,3mm verbreitert und sitz nun auf einem flachen Sockel etwas von der Oberseite des Laufs abgesetzt.
TP im Kaliber .22 lr. tragen folgende Beschriftung auf der linken Seite des Verschlussstücks:
[Walther Banner] TP Cal.-22 L.R. Ulm/Do.
Das Korn der .22er Pistolen ist 1,4mm breit, wie bei den frühen 6,35er Pistolen. Der rote Punkt der Sicherung hingegen ist identisch zur späten 6,35er Variante.
Fazit
Die TPH ist eine formschöne Taschenpistole, deren Ursprung und Design aus dem Hause Walther klar erkennbar ist. Für Walther war es sicherlich ein mutiger Schritt, 1961 trotz der schwierigen Marktlage, eine neue Taschenpistole auf den Markt zu bringen. Gegen die hausinterne Konkurrenz der TPH als "Mini-PPK" ab1969 war jedoch kein Kraut gewachsen. Dennoch gehört die TP in jede gut sortierte Walther Sammlung.

Stellung des Sicherungshebels im feuerbereitem Zustand.

Detailblick auf die Federbolzenführung.

Verschlussriegel in geschlossenem und geöffneten Zustand. Zum Öffnen drückt man die unten liegende Verschlussriegelklinke ein.

Beschriftungsvarianten der TP. Ebenso gut erkennbar der unterschiedliche Durchmesser des roten Punkts der Sicherung.
Abmessungen:
Modell | Länge | Lauflänge | Höhe | Breite | Gewicht | Magazinkapazität | Seriennummernbereich |
TP | 130 mm | 65 mm | 95 mm | 23 mm | 340 g | 6 | 001000 bis 012250 (6,35 mm Browning) 200011 bis 203427 (.22 lr.) |
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