Reck Sportwaffenfabrik P8 im Kaliber 6,35 mm Browning
Vorbemerkung: Die Geschichte deutscher Taschenpistolen der 1970er und 1980er Jahre, abseits der großen Namen wie Walther oder Erma, ist recht wenig erforscht. Die zugehörigen Unternehmen existieren meist nicht mehr oder aber die Firmenunterlagen gingen mit der Zeit verloren. Da viele Unternehmen jedoch auch Schreckschusswaffen fertigten, kann man sich der Historie aus dieser Richtung annähern und findet so meist auch etwas über die "scharfen" Varianten heraus. Eine wertvolle Quelle für solche Informationen ist www.gas-waffen.de. Darüber hinaus findet man in zeitgenössischen Artikeln und Zeitschriften immer wieder weitergehende Hinweise.
Geschichte:
Die Firma Reck Sportwaffenfabrik Karl Arndt aus Lauf an der Pegnitz bei Nürnberg ist heute vor allem wegen seiner Schreckschuss-und Gaswaffen bekannt.
Sie gehörte zu den kleineren Herstellern, wie Herbert Schmidt oder die Rhöner Sportwaffenfabrik. Reck produzierte aber auch eine breite Palette von scharfen Waffen vom 4mm Einzellader bis zum .357 Magnum Revolver. 1978 wurde Reck von der Uma Jagd- & Sportartikel GmbH & Co KG übernommen, aus der dann später die Umarex Sportwaffen GmbH & Co. KG hervorging.
Eine der erfolgreicheren Taschenpistolen von Reck war das Modell P8 im Kaliber 6,35 mm Browning. Wie bei vielen Taschenpistolen dieser Zeit gab es hierzu ein Pendant als Schreckschuss-/Gaswaffe, die P6, im Kaliber 8mm Knall (später auch im Kaliber .315 K), sowie die P10 als Startpistole. P6 und P8 sind im Wesentlichen baugleich und viele Teile sind austauschbar.
Beschreibung und Technik:
Bei der P8 handelt es sich um einen Rückstoßlader im Kaliber 6,35 mm Browning mit Masseverschluss und Schlagbolzenschloss. Das Griffstück besteht aus Zinkdruckguss, in dem der Stahllauf eingegossen ist. Reck fertigte aus Kosten- und Effizienzgründen viele Teile so, dass sie sowohl in der P8 als auch in der P6 verwendet werden konnten. Nahezu alle Teile, inkl. dem Verschlussstück sind austauschbar.
Unter dem Lauf liegt die Verschlussfeder. In den Verschlussschlitten ist ein Stahlstück eingegossen, durch das der Schlagbolzen gleitet und das gleichzeitig den Stoßboden bildet. Das Verschlussstück wird auf dem Griffstück durch eine unter dem Lauf gleitende Brücke gehalten, die auch der Schließfeder als Widerlager dient.
Im Schlagbolzenkanal befindet sich ein Gabelstück, das der Schlagbolzenfeder als Widerlager dient. Hinten auf dem Griffstück sitzt eine hakenförmige Nase als Gegenlager, in das der Verschlussbolzen eingreift und so die Pistole zusammenhält.
Die Auslösung des Schusses erfolgt über den Abzug, der mittels Schubstange unter der linken Griffschale auf einen Auslösewinkel wirkt, der wiederum mit dem Abzugsstollen verbunden ist. Die Schubstange hat einen nach oben verlaufenden Arm, der bei geschlossenem Verschlussschlitten in eine Ausnehmung eingreift. Nur in dieser Position liegt die Schubstange am Auslösewinkel an.
Zum Zerlegen der Pistole gibt es einen speziellen Mechanismus. Bei der leeren (!) Pistole zieht man zunächst den Verschlussschlitten rund 12 mm zurück und drückt dann die Kimme nach unten. Dadurch wird der Verschlussbolzen festgelegt. Nun führt man den Verschlussschlitten wieder in seine Ausgangslage zurück, Gegenlager und Verschlussbolzen sind nun getrennt und man kann den Verschlussschlitten nach oben vorne über den Lauf abheben.
Reck P8 im Kaliber 6,35 mm Browning, auch vertrieben unter dem Handelsnamen "LA FURY".
Das Magazin fasst sechs Patronen. Die Griffschalen bestehen aus schwarzem oder weißem Kunststoff bzw. Holz. Die Metallteile sind standardmäßig geschwärzt. Es gab aber auch "Luxus"-Varianten mit vergoldeten Bedienelementen oder eine verchromte Ausführung.
Finish und Verarbeitung der Pistole sind gut - jedoch nicht hochwertig. Die Pistole liegt gut in der Hand.
Varianten
Die Beschriftung der P8 wurde im Laufe der Produktionszeit nur leicht angepasst.
Frühe P8 (ab 1966) tragen auf der linken Seite des Verschlussstücks folgende Beschriftung;
RECK (im Oval) P8 Kal. 6,35 mm
Made in West Germany
Die rechte Seite des Verschlussstücks bleibt frei. Die Standardgriffschalen tragen ein rundes Emblem aus Messing mit einem Wappenschild und der Herstellernamen RECK. Die Griffschalen der "La Fury" haben ein Emblem mit LA.
Bereits 1967 wandert die Herkunftsangabe "Made in Germany" auf die rechte Seite des Verschlussstücks. Darüber hinaus variiert die Position der Seriennummer auf der linken Verschlussstückseite leicht und auch die Schriftgröße ändert sich.
Späte P8 haben einen geschwärzten, anstatt eines goldenen Abzugs.
Eine bedeutende technische Änderung erfolgt um 1974/75 mit Einführung einer Schlagbolzensicherung.
Fazit:
Die Reck P8 ist eine günstige, handliche Pistole, die weitgehend mit dem Schreckschussmodell identisch ist. Sie steht beispielhaft für die Entwicklung von Taschenpistolen der 1970er und 1980er Jahre für Selbst- und Jagdschutz und die Fallenjagd, abseits der Premiumhersteller. Ein Muss in jeder Sammlung deutscher Taschenpistolen oder eine sinnvolle Ergänzung in Sammlungen von Schreckschusswaffen.
Technische Daten:
Höhe | 90 mm | Kaliber | 6,35 mm Browning | Stückzahl | unbekannt |
Breite | 20 mm | Gewicht | 370 g | Seriennummern | rd. 100000 bis 185000 |
Länge | 115 mm | Magazinkapazität | 6 Patronen | ||
Lauflänge | 57mm | Herstellungsjahr | bis 1979 |
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